Piemontesische Küche – ein Verrückter –Barolo Magnum


Da wir jedes Jahr am ersten Novemberwochenende mit einer Gruppe von Freunden ins Piemont fahren, sind wir immer wieder auf der Suche nach typischen Restaurants in der Gegend rund um Alba, Monforte d´Alba, La Morra, Neive etc.

Piemont im November zur Trüffel ZeitTypisches Restaurant im Piemont heißt für uns, es gibt keine Speisekarte, sondern nur eine große, endlos lange Weinkarte. Dann muss man sich zumindest nur überlegen, was für einen Wein man trinken will, das Essen wird so serviert, wie es die Köchin an diesem Tag ausgedacht hat. Ich finde das immer sehr praktisch, denn ich tue mich oft extrem schwer, zwischen allen den Köstlichkeiten, die das Piemont bietet, auszuwählen: „bagna cauda“, „carne crudo“, tajarin, plin, brasato al Barolo, tartufo bianco, Ei mit Trüffel etc.

Wir haben dann vor Jahren einen Tipp von unseren Freunden aus dem B&B Ca San Ponzio bekommen für ein Restaurant bzw. eine Osteria, die ein wenig außerhalb von Alba in Richtung Neive, in Castagnito liegt. Das Lokal heißt „Ostu Di Djun“ (den französischen Einschlag der Gegend merkt man auch an den Namen) und wird von Luciano geführt.

Ostu Di Djun

(ACHTUNG: Sonntags Ruhetag)

Via San Giuseppe 1, Castagnito 12050

Telefon:+39 0173213600

Luciano nennen wir unter uns immer „den Verrückten“. Er ist nicht wirklich verrückt, aber er ist schon sehr speziell.

Wer nicht gerne isst und trinkt gehört nicht ins Piemont

Er hat eine sehr auffällige laute Stimme und wir haben schon mal beobachtet, wie er einen Gast (weiblich), die keinen Nachtisch mehr essen wollten, einfach kurzerhand auf die Schulter genommen hat und zum Käsebuffet geschleppt hat 🙂 . Wer nicht mit Freude und nicht viel isst, wird im Piemont nicht gerne gesehen.

Ostu du Djun, Castagnito_Luciano

Ostu di Djun, Castagnito_Luciano

Auch einer unserer Freunde hat diese sehr  „spezielle und lustige“ Art von Luciano schon zu spüren bekommen, er wollte nach dem Essen einen Cappuccino bestellen. Das das in Italien eine „Todsünde“ und von keinem Italiener zu verstehen ist, hat sich bis Deutschland ja schon rumgesprochen. Dass aber der Besitzer im Restaurant sich weigert, einen Cappuccino zu bringen und den Gast „ziemlich bestimmt“ darauf hinweist, dass derartige Abwege im Geschmack in seinem Restaurant nicht geduldet werden, das kommt doch sehr selten vor. Luciano ist da aber auf seine Art sehr eigen, aber immer fröhlich und charmant dabei.

Nur Magnum Flaschen stehen auf den Tischen

Man isst im „Ostu di Djun“ hervorragend. Zur Alba Trüffelzeit gibt es natürlich auf Wunsch die Mehrheit der Gerichte mit weißem Trüffel. So z.B. die Tajarin mit Butter und Trüffel oder auch die „fonduta al tartufo“ (ein Käsecreme mit geriebenem weißen Trüffel) Schon nachdem man sich hingesetzt hat, bekommt man erstmal einige Salami- oder Lardo (Speck) -Scheiben und ein „frittiertes“ Brot auf den Tisch. Köstlich schmeckt das. Zuerst bekommt man eine Magnum Flasche Arneis hingestellt (Weißwein der Gegend). Danach wird

Magnum Rotwein_Ostu du Djun_Castagnito_Piemonte

Magnum Rotwein_Ostu di Djun_Castagnito_Piemonte

man gefragt, welche Art von Rotwein und von welchem Produzenten man zu den nächsten Gängen bevorzugt, Barbera oder Barolo oder Barberesco. Daraufhin bekommt man die entsprechende Flasche wieder als Magnum auf den Tisch gestellt. Im Laufe des Abends werden dann die Flaschen von Tisch zu Tisch getauscht, wenn man möchte. Man trinkt also so viel wie man will und kann dann die Magnum Flasche des Nachbartischs auch mal ausprobieren. In dem Restaurant Ostu Di Djun gibt es nur Weine in Magnum Flaschen (1,5 Liter), dafür ist Luciano bekannt. Früher ist die Familie auf Wagen durch die Gegend gefahren und hat Weine verkauft. Aus dieser Zeit sind noch die großen Magnum Flaschen eine Tradition, an denen Luciano festhält.

Die Mama kocht traditionelle Piemont Gerichte

In der Küche des Ostu di Djun hat die Mama von Luciano das Sagen. Sie bestimmt, was auf die Teller kommt. Sie ist eine hervorragende Köchin, die auch gerne mal neue Rezepte ausprobiert. Ganz köstlich sind vor allem ihre Nachtische (aber eigentlich auch ihre Nudelgerichte, Risotti, Kaninchen usw….ach, also einfach alles :-)).

Ich werde Anfang Oktober für ein paar Tage zu der Mama in die Küche gehen und ein wenig über ihre Schulter schauen, um mir ein paar Rezepte abzugucken und erklären zu lassen. Ich freue mich schon riesig darauf – sie hoffentlich auch…ich werde dann berichten.

Nach einem Mahl mit mindestens 6-8 Gängen und einer Menge von köstlichen Weinen aus der Piemont Gegend, bezahlt man am Ende so um die 30-35 Euro pro Person (je nachdem, welchen Wein man sich ausgesucht hat). Zur Trüffel Saison im Oktober, November kann das Menu dann schon mal mehr kosten, wenn die Gerichte mit dem weißen Trüffel verfeinert werden – natürlich auch je nach Trüffelpreisen der Saison. Ein Ort, der durch den Besitzer Luciano und die Magnum Flaschen und das köstliche Essen der Mama eine besondere Note bekommt. Es ist übrigens immer ausgebucht, da auch viele einheimische Weinbauern dort Essen gehen (was ja immer ein gutes Zeichen ist :-)), daher immer reservieren.

Weitere Piemont Tipps findet ihr auf meiner Seite.

Übersetzungshilfe:

  • Coniglio – Kaninchen
  • Lepre – Hase
  • Risotto – Reisgericht
  • Riso – Reis
  • Brasato – Braten
  • uovo – Ei

Mehr Italien-Geheimtipps zum Thema: