Ein Konto zu eroeffnen in Italien: gar nicht so einfach

Vor kurzem bekam ich einen Scheck von „Energia Toscana“ (Gasanbieter in der Toskana) über 150 Euro Gutschrift. Ich war total happy, da die Gasrechnungen in Italien doch zum Teil extrem hoch ausfallen und Hohe Gas Rechnungen für Heizung in Italieneine Erstattung mich nun ein wenig beruhigt hat. Vor allem im Winter, wenn man heizen muss (und das Heizen bei mir in der Wohnung mit 4,40 Meter hohen Decken und über 100 Jahre alten Fenster 🙂 ist doch sehr mühsam und dauert lange), sind die Rechnungen erschreckend hoch. Ich habe im Februar und März für die zwei Monate eine Rechnung über 240 Euro bezahlt, obwohl ich gar nicht oft da war und die Heizung nur ab und zu lief.

Naja, ich habe mich jedenfalls über den Scheck gefreut und bin damit erst mittelalterlicher Ort Vicopisano in der Toskanaeinmal zur Post in Vicopisano gefahren. Wie ich ja schon des Öfteren berichtet habe, ist die Post der Dreh und Angelpunkt für alle Zahlungen und Gutschriften in Italien. Dort wurde mir aber freundlich mitgeteilt, dass ich entweder direkt zu der Bank gehen müsse von der der Scheck ausgestellt wurde, oder ich könne mir den Scheck auf mein italienisches Konto gutschreiben lassen. Problem: ich habe kein italienisches Konto!

Auf meine Frage, ob denn die Gutschrift nicht auch auf mein deutsches Konto gebucht werden könne, bekam ich nur ein schlichtes „nein“.
Ok, was machen… Entweder 2 Stunden mit dem Auto zu der nächstgelegenen Filiale dieser Bank fahren oder ein Konto in Italien eröffnen. Ich habe mich für letzteres entschieden.

Ein Konto in Italien bei der Post zu eröffnen erfordert viel Geduld

Also bin ich wieder zur Post in Vicopisano gegangen (dort sitzt immer die gleiche nette ältere Dame) und bat sie, mir ein Konto zu eröffnen. Sie Italienische Post um ein Konto zu eröffnenfragte mich, wo ich gemeldet sei und ich sagte ihr, in Hamburg, Deutschland, als Hauptwohnsitz, hier sei ich nur hin und wieder. Daraufhin entschuldigte sie sich und ging kurz telefonieren, um zu klären, was sie nun tun solle. Sie kam wieder mit der Antwort, sie bräuchte neben meinem Ausweis, meiner italienischen Steuernummer (Codice Fiscale) auch eine Meldebestätigung vom deutschen Konsulat. Was nun, fragte ich sie, denn ich sei nur noch ein paar Tage hier in der Toskana und dann für ein paar Wochen in Deutschland. Ich bräuchte das Konto aber schnell wegen des einzulösenden Schecks. Die Lösung war dann, dass sie schon mal alles ausfüllen wollte und ich ihr dann die Meldebescheinigung aus Deutschland per Post schicken solle (der Scheck würde schon mal gutgeschrieben, ich solle mir keine Gedanken machen).

Langsam aber sicher füllte sich das Postzimmer in Vicopisano mit wartenden Italienern. Es waren jetzt bestimmt schon 11 ältere Italiener und Italienerinnen, die in der Schlange standen und neugierig zuhörten und warteten. Das brachte aber die nette ältere Dame am Schalter nicht aus der Fassung. Sie fing in aller Ruhe an, am PC das Formular für mich auszufüllen. Dabei hat sie mich immer recht lautstark gefragt, was sie wo auszufüllen habe. Dazu muss ich erwähnen, dass man durch eine Glasscheibe mit der Dame kommuniziert und daher sehr laut sprechen muss. Das gesamte Wartezimmer bekommt natürlich alles mit. Ich glaube, ganz Vicopisano weiß jetzt, wie alt ich bin, wo ich wohne, was ich von Beruf aus mache usw. Hat schon Komödiencharakter gehabt.

Gehört Deutschland denn in die EU?

Vor allem, als sie zwischendurch, als eine Eingabe nicht vom PC angenommen wurde fragte, ob Deutschland denn zur EU gehören würde…. Ich war nah dran zu sagen, dass man sich das ja eher bei Italien und dem derzeitigen Regierungschef fragen müsste … konnte mir das aber gerade noch verkneifen, schließlich möchte ich doch noch ein bisschen in diesem schönen Fleck der Toskana bleiben.

Fazit war, nach geschlagenen 45 Minuten gab sie auf. Nachdem die Menschen hinter mir in der Warteschlange nun alles über mich wussten, schob mir die nette Dame vom Schalter noch ein Formular zum unterschreiben zu, bei dem es um das „privacy agreement“ ging,….sehr passend, nachdem nun alle schon alles wussten…. Ich glaube ich habe insgesamt 20 Mal irgendwo unterschrieben und habe am Ende des Tages immer noch kein Konto in Italien.

Nun ist meine Meldebescheinigung von der Gemeinde (nicht Konsulat) in Hamburg auf dem Weg in die Toskana (hoffentlich dauert das nicht so lange und kommt überhaupt an). Dann müsste ich auch endlich zu meinem Konto in Italien kommen. Schauen wir mal…

P.S. Übrigens fragte mich am nächsten Tag ein netter älterer Italiener auf der Piazza von Vicopisano, ob ich denn nun alles in der Post geregelt hätte 🙂

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