Italien und die Italiener: was fuer ein Land

Ich hatte gestern zwei Ereignisse, die mich dazu gebracht haben, diesen schoener Strand in der Toskana bei Marina di CastagnetoArtikel zu schreiben. Wer bereits den einen oder anderen Bericht von mir in dem Blog verfolgt hat, hat sicherlich gemerkt, dass Italien viele schöne Seiten hat, aber auch viele fragwürdige kritische Aspekte, die man erst erkennt, wenn man dort lebt.

In der italienischen Presse und bei den italienischen Bürgern herrscht seit 3 Tagen große Aufregung wegen eines Briefes des Generaldirektors Pier Luigi Celli der bekannten Privatuni Luiss in Rom an seinen Sohn Matthia. Die Hauptaussage dieses Briefes lautet: Mein Sohn verlasse dieses Land“. Dieser Brief wurde von der italienischen Presse auf dem Titelblatt der oppositionellen Tageszeitung „La Repubblica“ veröffentlicht und in diversen blogs und Portalen diskutiert und kommentiert.

Italienischer Vater raet seinem Sohn ins Ausland zu gehen und nicht in Italien zu bleiben

Umso brisanter der Artikel, wenn man bedenkt, dass Pier Luigi Celli von wunderschoenes Piemont Italien1998 bis 2002 Generaldirektor des Regierungssenders RAI war. In seinem Brief an seinen Sohn zählt er die Missstände in Italien auf, erklärt dies sehr anschaulich an der Geschichte der staatlichen Fluggesellschaft Alitalia (die eigentlich gar nicht mehr fliegen dürfte, so Celli) und bittet seinen Sohn darum, nicht in Italien zu bleiben. Auch wenn er sich für diese Bitte schämt, so könne er es dennoch nicht verantworten, dass sein Sohn sich weiterhin in einem Land wie Italien aufhält und sein Leben und seine Karriere dort vergeudet.

Ich finde diesen Artikel wirklich bemerkenswert und es scheint viele Italien und die guten Weine wie Brunello oder Nobile di Montepulcianoverständnisvolle Kommentare aber auch sehr viele kritische Zeilen dazu zu geben. Ich kann den Inhalt des Schreibens gut nachvollziehen, denn die Einstellung vieler Italiener, sei es zur Politik oder zur Arbeit, ist unglaublich. Ein Land, das so schön ist und so viel an Kultur und Kreativität zu bieten hat, macht leider nur sehr wenig daraus. Allein die „Fetternwirtschaft  und die Mentalität der Italiener „ich tue nur was für dich, wenn du auch was für mich tust und wenn ich was davon habe“, macht das Arbeiten und beruflich vorankommen der wirklich schlauen und kompetenten Köpfe nur sehr schwer.

Die Italiener, die mal im Ausland gelebt haben sehen ihr Land auch eher kritisch

Ich hatte gestern zu diesem Thema einen längeren email Austausch mit einem unserer italienischen talkyoo Kunden, der sich zur Zeit in Amerika aufhält. Er schrieb mir zum einen auch von dem besagten Brief von Celli und Italien und die hervorragende Kueche und Weine plus wunderschoene Straende fast wie im Paradiesbetonte im gleichen Zug, wie ungerne er selbst nach Italien zurückkehren möchte. Er sei Mediziner und lebe seit einigen Monaten in Amerika, und die Vorstellung nach Italien zurückzukehren mache ihm Angst und versetze ihn schon jetzt in Depressionen. Vor allem, weil die Medizin in Italien Lichtjahre hinter der amerikanischen Forschung hinterherhinkt und sich keiner darum kümmert. Zum anderen, weil die Einstellung und Mentalität der Italiener einfach nicht zu ertragen sei. Gerade, wenn man mal im Ausland gelebt hat und Italien mit ein wenig Abstand betrachtet, fallen einem die ganzen Nachteile und chaotischen Zustände und Korruptionen erst recht auf. Er schrieb noch, wie schade es doch sei, dass ein Land wie Italien, das eigentlich ein Paradies sein könnte, so verkommt und so wenig tut, um sich weiterzuentwickeln. Wenn nicht das gute Essen, die schöne Landschaft, die einmalige Kultur Italiens und der hervorragende Wein gepaart mit dem guten Wetter und der „meist“ Liebenswürdigkeit der Italiener wäre, dann würde es Italien längst noch schlechter gehen und wesentlich mehr Menschen ausgewandert sein.

Ich bin doch immer wieder erstaunt, wie kritisch viele Italiener ihrem Land und ihren Leuten gegenüber sind (scheinbar aber nicht genügend, um etwas zu ändern), wie es aber doch immer alles einigermaßen funktioniert in Italien und sich dennoch nichts ändert. Ein Land, das sich durch Liebenswürdigkeit und Kreativität durch die Jahre schummelt und dennoch einen gewissen Charme pflegt.

….und ich scheine doch tatsächlich eine der „Verrückten“ zu sein, die freiwillig nach Italien gegangen sind… Ich bin aber inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass eine Kombination aus Deutschland und Italien ideal ist. Man muss sich nur aus beiden Welten die positiven Dinge herausziehen…

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