Olivenernte 2009 in der Toskana: harte Arbeit für wenig Öl
06.11.2009 von Regina
unter Toskana Tipps
Heute Morgen wurde ich so gegen 7 Uhr von einem mir unbekannten Geräusch und Stimmen vor meinem Fenster geweckt. Als ich dann aus dem Fenster schaute habe ich festgestellt, dass die Olivenernte hier in meiner Gegend begonnen hat. Alle Bäume werden manuell gepflückt, bzw. erst werden Netze unter die Bäume ausgelegt und dann werden die Bäume kräftig geschüttelt und gerüttelt. Die Oliven, die dann runterfallen werden aufgesammelt und in
großen Körben gesammelt. Diejenigen Oliven, die nicht so recht vom Baum fallen wollen, werden dann noch manuell abgepflückt. Das kann dann schon mal Akrobatik bedeuten, denn oft muss man noch in den Baum klettern, um an die Oliven zu gelangen und sie zu ernten.
Es ist kaum vorzustellen, wie mühsam die Olivenernte ist. Denn in guten Jahren bekommt man pro Olivenbaum etwa 1 Liter Olivenöl, in schlechten Jahren, wie scheinbar diesem, braucht man schon 2-3 Bäume für 1 Liter Olivenöl. Laut vieler Bauern der Region gibt es in diesem Jahr sehr wenige Oliven an den
Bäumen, aber die wenigen hätten eine ausgezeichnete Qualität und wären sehr groß und rund und „saftig“.
Meist sind die Körbe gefüllt mit grünen und schwarzen Oliven. Man sollte nicht zu viele Blätter und Zweige dabei haben, denn die sind nur schwer auszusortieren und verändern die Qualität des Olivenöls. Die schwarzen Oliven sind die reifen und die grünen, die noch nicht so ganz reif sind, geben dafür den intensiven würzigen Geschmack, so wurde es mir heute erklärt.
Toskana: Wenige Oliven pro Baum aber dafür gute Qualität
 Meine Freunde in Palaia haben diesmal mit gesamter Familie etwa 1/3 weniger geerntet als im vergangenen Jahr. Sie schätzen bei ihren 90 Oliven Bäumen auf nicht mehr als 30 Liter Öl….kaum zu glauben… und dafür so viel
Arbeit. Die gefüllten Körbe werden dann zu einem „Frantoio“ (Ölmühle) gebracht und erstmal abgewogen. Man kann dann entweder warten bis die Oliven durch die Ölpresse gedrückt werden, und das Öl dann gleich mitnehmen. Oder man kommt ein paar Stunden später wieder. Das Risiko besteht dann aber, dass man nicht seine eigenen Oliven als Öl bekommt, sondern vielleicht die der Nachbarn, man weiß ja nie! Dieser Frantoio, der in der Nähe von Palaia seine Ölmühle hat, ist immer ausgebucht zur Olivenernte, so dass man einige Zeit warten muss. Alle Bauern der Gegend bringen ihre Oliven für die Pressung zu ihm, denn er presst das Öl noch nach ganz traditioneller Methode.
Olivenpressung ganz traditionell zwischen Steinplatten
Die Oliven werden erst kurz kalt gewaschen und dann durch Steinräder zermahlen und gepresst. Ein sehr
interessant anzusehender Vorgang und vor allem die Gerüche drum herum sind sehr intensiv. Das erste frische Öl was dann rauskommt ist das „Extra Vergine“ und das beste und edelste.
Wenn dann noch mal eine weitere Pressung mit den „Olivenresten“ erfolgt spricht man nicht mehr von „extra vergine“, sondern von „vergine“. Die Qualität ist dann schon gleich wesentlich niedriger. Das frische Öl sollte man dann noch mal ein paar Wochen ruhig lagern lassen, eh man es verwendet, denn der Geschmack ist zu Beginn noch sehr pikant und „scharf“. Je mehr Zeit vergeht, desto milder wird das Öl.
Ein Freund hat uns aus der ganz frischen Produktion einen Löffel zum
Probieren gegeben. Wir waren erst skeptisch, einfach so pur einen Löffel Olivenöl zu kosten. Aber er erklärte uns, dass wir das Öl in den Mund nehmen sollen und dann laut Luft einziehen sollten und mit dem Öl vermengen, dann würde das Öl weicher werden und man könne den Geschmack erkennen. Er hatte Recht, es war köstlich und wieder mal eine neue Erfahrung für uns. Ich freue mich schon auf das frische Olivenöl von meinen Freunden, denn da weiß ich genau wo es herkommt und wer dafür in den Baum geklettert ist…und ein paar Oliven habe ich auch gepflückt
P.S. Übrigens jetzt im November gibt es auch viele Olivenfeste in der Toskana (sagra delle olive), wo man das “neue” Olivenöl auch kosten kann.
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