Arbeiten in Italien … Morgen ist nun mal nicht Morgen…


Zumindest für die deutsche Mentalität ist „Arbeiten“ und „Morgen“ eine andere Begriffsauffassung.

Gerade habe ich mich mit einer Schweizerin unterhalten, die seit 10 Jahren der Liebe wegen in der Toskana lebt. Sie betreibt mit ihrem italienischen Mann ein „Strandabschnitt“ („bagno“) mit Liegen und Sonnenschirmen bei Marina di Castagneto Carducci an der toskanischen Küste (siehe auch meinen Artikel zu diesem Tipp).

Sie meinte gerade zu mir, dass sie eines Tages (hoffentlich nicht in all zu weiter Ferne) wieder in die Schweiz zurückgehen möchte, unbedingt.

So schön es hier auch sei, meinte sie, so schwer ist es, sich an die Mentalität der Italiener zu gewöhnen, besonders, wenn es ums Arbeiten und die Zuverlässigkeit geht.

Sie ist sich schon bewusst, das die Schweiz extrem in die andere Richtung tendiert, aber das ist ihr letztlich doch lieber als diese all zu lässige italienische „Lebenseinstellung“.

Unzuverlässig, meistens „Morgen“ anstatt gleich und immer schön „con calma“ oder mit „pazienza“. Und die Italiener machen auch nur etwas, wenn es demjenigen auch persönlich etwas nutzt, an die Allgemeinheit oder den anderen wird kaum gedacht.

Die Schweizerin meinte dann noch, sie kenne keinen Italiener in ihrem Umfeld, der auch in dem Bereich arbeitet, in dem er sein Examen gemacht hat oder was er gelernt hat. Das liegt ganz einfach daran, dass viele Italiener nicht mobil sind, Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Aber wenn ein Italiener mal im Ausland gelebt und gearbeitet hat (was nicht all zu häufig vorkommt 🙂 ), will er meistens auch nicht wieder zurück nach Italien, denn dann hat er dort gelernt, wie anders und schnell und zuverlässig, Dinge passieren können.

Der klassische Italiener sucht aber nach wie vor einen Job möglichst im Umkreis von maximal 10 km von „der Mama“. Auf keinen Fall zu weit weg, denn die Wäsche, die Pasta etc. bindet ihn eng an das eigentliche Familienoberhaupt.

Daher nehmen sie auch alle möglichen Jobs an, auch wenn sie weit unter ihrer Qualifikation liegen und nur wenig Geld einbringen, Hauptsache nicht von der Familie getrennt.

Diese Einstellung und dann die Unzuverlässigkeit, d.h. wenn ein Italiener sagt, er meldet sich Morgen, meldet er sich fast nie „Morgen“.

Das habe ich am Anfang immer gemacht und brav auf den Rückruf gewartet. Aber der kommt grundsätzlich nicht (privat wie geschäftlich). Und ein „Morgen“ ist in Italien nun mal meist ein „nächste Woche“, wenn überhaupt.

Das muss man einfach wissen und sich darauf einstellen. Und wenn das eben bedeutet, dass man selber 3 Mal zurückrufen muss, um dass zu erreichen, was man möchte…und je südlicher man kommt in Italien desdo „länger dauert“ das „Morgen“

In diesem Fall ist es umso deutlicher „Italy is different“ …und es fällt mir immer noch sehr schwer, mich darauf einzustellen…, wenn man es dann aber schafft und es einplant, dann klappt doch irgendwie alles.

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